„wERDvoll / PréciEAU“ – Deutsch-französischer Schüleraustausch verbindet Meer, Erde und Kunst

„wERDvoll / PréciEAU“ – Deutsch-französischer Schüleraustausch verbindet Meer, Erde und Kunst

Fotos von Jessica Hares


Im März und April dieses Jahres fand ein besonderer deutsch-französischer Schüleraustausch im Rahmen des Programms Erasmus+ sowie mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (OFAJ) statt. Unter dem Projekttitel „wERDvoll / PréciEAU“ arbeiteten insgesamt 11 Schülerinnen und Schüler der Dr-Walter-Bruch-Schule in St. Wendel und des Établissement St. Joseph-La Salle in der Bretagne gemeinsam an einem künstlerischen Fotoprojekt.
Im Mittelpunkt stand das kulturelle Erbe beider Regionen: Während in der Bretagne die „Industrie des Meeres“ erkundet wurde, richtete sich der Blick im Saarland auf die „Industrie der Erde“. In Lorient und Brest arbeiteten die Jugendlichen mit der Methode der intuitiven Fotografie. Dabei ging es nicht nur um das Dokumentieren von Industrieanlagen wie U-Boot-Bunkern oder Hafenstrukturen, sondern vor allem um das bewusste Wahrnehmen und künstlerische Hervorheben von Details, Strukturen und Stimmungen.
Ausgehend von diesen Fotografien entwickelten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten weiter: Sie wählten gezielt Motive aus, fokussierten Details und kombinierten diese in deutsch-französischen Tandems zu neuen Bildkompositionen. So entstanden kreative Bildverbindungen, die unterschiedliche Perspektiven vereinten und neue Bedeutungszusammenhänge schufen. Im weiteren Verlauf setzten sich die Teilnehmenden auch mit analogen Verfahren auseinander, indem sie ihre Motive in Cyanotypie-Drucke überführten und für eine gemeinsame Präsentation aufbereiteten.

Der zweite Teil des Projekts fand im Saarland statt und führte die Gruppe unter anderem zur Völklinger Hütte. Dort entwickelten die Jugendlichen aus ihren Arbeiten zusammenhängende Fotoserien und setzten sich intensiv mit industrieller Geschichte, Struktur und Ästhetik auseinander. Die künstlerische Arbeit wurde so zu einem Medium, um Vergangenheit und Gegenwart visuell zu reflektieren.

Eine besondere Unterstützung erhielt das Projekt durch Prof. Valerie Schmidt von der Hochschule Trier. Im Rahmen ihres Forschungsprojekts „Feldforschungsinstitut für Verbildlichung und visuelle Literalität“ begleiteten sie und ihre Studierenden die Arbeit der Schülerinnen und Schüler. Die Studierenden leiteten deutsch-französische Tandems an und förderten gezielt die Entwicklung von Bildkompetenz sowie die bewusste Auseinandersetzung mit visuellen Ausdrucksformen.

Ein weiteres Highlight war der Besuch der Jakob Bengel-Stiftung in Idar-Oberstein. Dort erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Geschichte der regionalen Schmuckindustrie. Die Stiftung selbst wurde dabei von den Schülerinnen und Schülern als ein wahres „Schmuckstück“ erlebt – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne.

Neben der fachlichen und künstlerischen Arbeit prägte vor allem die zwischenmenschliche Begegnung das Projekt. Besonders hervorgehoben wurde die große Warmherzigkeit, mit der die deutschen Schülerinnen und Schüler in der Bretagne empfangen wurden – eine Gastfreundschaft, die beim Gegenbesuch im Saarland ebenso herzlich erwidert wurde. Über die Projektzeit hinweg wuchsen die Jugendlichen beider Länder eng zusammen, knüpften Freundschaften und sammelten wertvolle interkulturelle Erfahrungen.

Der Austausch leistet damit einen wichtigen Beitrag zur gelebten Frankreichstrategie und zeigt eindrucksvoll, wie internationale Zusammenarbeit im Bildungsbereich gelingen kann. Mit viel Engagement und Herzblut auf beiden Seiten entstand ein Projekt, das weit über den Unterricht hinauswirkt.

Die beteiligten Schulen hoffen, diese erfolgreiche und bereichernde Kooperation auch in den kommenden Jahren fortführen und weiter ausbauen zu können.